11.09.2006
NRW Finanzministerium mit "größter Wirkung"
BMI | Internet-Technologien können die Modernisierung der öffentlichen Verwaltungen in Deutschland stärken: Das Bundesinnenministerium kürte zum sechsten Mal vorbildliche Lösungen zum Thema E-Government. Unter den dreizehn Nominierten für die Endrunde setzte sich das Finanzministerium NRW in der Kategorie "Größte Wirkung" durch. Der "Vergabemarktplatz NRW" überzeugte die Jury. Das Projekt hilft öffentlichen Auftraggebern online bei der Vergabe und Firmen bei der Recherche nach Aufträgen.
In den drei weiteren Kategorien "Innovativster Technikeinsatz", "Beste virtuelle Organisation" und "Effiziente Organisationsveränderung" wurden ebenfalls Preise verliehen. Auch in diesem Jahr fand der E-Government-Wettbewerb guten Anklang in den Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen. Insgesamt wurden 60 Projekte eingereicht. Der Bund hat sich mit elf, die Länder mit 33 und die Kommunen haben sich mit 16 Einreichungen beteiligt. Die eingereichten Projekte wurden von einer unabhängigen Jury begutachtet und bewertet. Zu den Initiatoren des Wettbewerbs zählen auch BearingPoint und Cisco Systems.
In der Kategorie "Größte Wirkung" war neben dem Finanzministerium NRW auch das kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensburg/Lippe nominiert worden. Das Finanzministerium errang allerdings in der Endrunge den ersten Platz, weil es die größte Auswirkung auf die Zielgruppe erreichen konnte. Auch die Relation zum Mitteleinsatz sei hierbei ein Bewertungskriterium gewesen. "Die Lösung ist sofort überzeugend, weil das Thema E-Vergabe damit neue Impulse für ein ganzes Bundesland erhält", erklärt Prof. Dr. Werner Jann von der Universität Potsdam. Für die Kategorie "Innovativster Technikeinsatz" ist unter anderem die Stadt Hagen nominiert gewesen, konnte sich letztlich aber nicht gegen die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig durchsetzen. Der Preisträger überzeugte mit der Softwarelösung "ArchiSafe", die eine rechtssichere Langzeitarchivierung von elektronischen Dokumenten ermöglicht. Es gelte jetzt, das Projekt aus der Pilotphase zum Produkt des Bundes zu heben, betonte Jurymitglied Prof. Dr. Maria A. Wimmer von der Universität Koblenz-Landau. In Zukunft wünsche sich die Jury für diese Kategorie "mehr Einreichungen, die wirklich neue Technologien ausprobieren". Die "effizienteste Organisationsveränderung" entwickelte das Land Hessen mit einem Masterplan zur E-Government-Strategie. Dort behält ein Chief Information Officer (CIO) in der Landesverwaltung die Budgethoheit und Blick über rund 100 IT-Einzelprojekte. Am besten virtuell organisiert ist nach Meinung der Jury das Umweltbundesamt (UBA). Rund 90 Prozent der Kommunikation erfolgt auf elektronischem Weg und das System schließt Basiskomponenten von BundOnline ein. "Hier wurde endlich mal von Beginn eine Lösung konsequent online umgesetzt und die Frage einer schlanken virtuellen Kommunikation berücksichtigt", erläutert Professor Jann.
Die Preisträger können sich auf einer einwöchigen Studienreise in mehrere europäische Metropolen, die Vorreiter im E-Government sind, über internationale Trends und Entwicklungen informieren. Die Studienreise beinhaltet auch die Teilnahme am Public Services Summit von Cisco Systems in Stockholm sowie am Abschlusskonzert anlässlich des Friedens-Nobel-Preises in Oslo. Darüber hinaus werden die Gewinner Mitglied der E-Government Academy von BearingPoint und Cisco Systems, in der alle Gewinner der bisherigen Wettbewerbe regelmäßig aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet des E-Government diskutieren.
Diese Beispiele zeigen, dass kommunales E-Government in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat. Trotzdem bestehen weiterhin deutliche Defizite, die das Zusammenwachsen von Innovationen und Einzellösungen zu integrierten Konzepten hemmen, wie eine aktuelle Umfrage des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), in Zusammenarbeit mit der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt), zeigt. Kommunalem E-Government fehle es noch viel zu oft an Masterplänen und mittel- bis langfristig angelegten Konzepten. Ein großes Defizit seien die zahlreichen Versuche, bestehende teils suboptimale Prozesse mittels IT 1:1 abzubilden, anstatt neu zu gestalten. Auch die Zielsetzung habe sich in den letzten Jahren leicht verschoben: Die Ausschöpfung von Spar- und Rationalisierungspotentialen sei wichtiger geworden. Modernisierung von Politik und Verwaltung sowie besserer Kundenservice stehen weiterhin im Vordergrund. E-Democracy hingegen spiele in den Überlegungen der Kommunen immer weniger eine Rolle. Erfreulich sei die Entwicklung eines Problembewusstseins: Die Kommunen haben erkannt, dass Transaktionsangebote für Großkunden der Verwaltung und Vielnutzer wie Dienstleister wichtig sind. Zwar seien die Kommunen starke Befürworter einer Zentralisierung von Verfahren und Datenbeständen und interpretieren Grenzen und Rechte der kommunalen Selbstverwaktung sinnvoll, doch stünden entscheidende Weichenstellungen im kommunalen E-Government vielfach erst noch bevor.
Quelle: media|NRW, 11.09.2006
